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Gesamtsieg bei der Salzkammerguttrophy – Schlammschlacht auf 211 km / 7000 hm

Dieses Jahr mal keine Transalp. Das war mein Entschluss Anfang des Jahres, aber ein neues Ziel musste dann her. Und zwar eins das richtig kickt. Aber bitte mal kein Etappenrennen. Nichts lag näher, als es mal mit der Salzkammerguttrophy zu probieren, denn dieses Rennen überschneidet sich grundsätzlich mit der Bike Transalp, bei der ich in den vergangenen Jahren immer gestartet bin.

Die Salzkammerguttrophy ist der größte Marathon Österreichs mit fast 4000 Startern und gleichzeitig ist die Extremstrecke mit 211 km und 7000 hm an einem Tag so ziemlich das härteste Eintagesrennen Europas. Mein Saisonziel 2012 stand also fest: die Extremstrecke der Salzkammerguttrophy gewinnen!!!

Salzkammerguttrophy

Gesamtsieger Salzkammerguttrophy 2012. Natascha Binder mit Ondrej Fojtik


Nun bin ich schon immer auf der Langstrecke unterwegs, das heißt normalerweise 100-130 km mit maximal 4000 Höhenmetern. Mit einer Fahrzeit um die 14 Stunden und 7000 Höhenmetern hatte ich bislang keinerlei Erfahrung gesammelt. Über Facebook erfuhr ich, dass die Profis der Männerspitze Nudeln mit Tomatensauce pürieren und in die Trinkflasche füllen – bäääh. Da wurde mir klar, dass wohl der Ernährung bei dem Rennen erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Wie immer bahnen sich Probleme im ungünstigsten Augenblick an. 4 Wochen vor der Salzkammerguttrophy bekam ich massive Probleme mit den Fußsohlen. Eine Nervenentzündung genau an dem Punkt, wo die Pedale sitzen hatte sich angekündigt. Wie sollte ich damit 14 Stunden radeln? Ich musste im Training bei langen Einheiten alle 2-3 Stunden die Schuhe wechseln. Mir war mulmig wie das im Rennen laufen sollte. Beim Marathon in Willingen (kalt und sehr verregnet) hatte ich jedoch bemerkt, dass die Probleme bei Kälte und Nässe geringer sind und hoffte demzufolge, dass das Wetter bei der Salzkammerguttrophy in Bad Goisern nicht hochsommerlich werden würde.
Mein Wunsch war Petrus wohl Befehl. Es hatte tagelang vor unserer Anreise geschüttet wie aus Eimern und auch am Renntag war der Himmel verhangen. Der Wecker klingelt um 3:00 Uhr. Jungs mit Kuhglocken rennen durch die Gassen und machen Bad Goisern mobil. Dann um 5:00 Uhr der Startschuss – erstmals kein Gerangel am Start. Es wird gewitzelt „so kann das Tempo von mir aus bleiben“. Jeder hat Respekt vor der Strecke. Ich genieße es, dass ich am Start nicht direkt mit Spitzenpuls losrasen muss. Gute Renneinteilung ist das A und O. Von Anfang an bin ich überrascht. Durch den verhaltenen Start komme ich von Anfang an in eine Art Flow. Bei „normalen Marathons“ hetzt man gen Gipfel und zählt die Höhenmeter runter. Was soll ich hier zählen? Es sind ja noch 7000…. Also: ziehen, treten, ziehen, treten. Auf einer Wiese ein knallroter Fesselballon. Augenblicke genießen. Der Tag ist lang und alles ist gut.

Die Trails sind sehr aufgeweicht, moosige Steinpassagen an der Grenze der Fahrbarkeit. Hier kann ich bergab richtig punkten. Ich bin vom Start weg zügig losgefahren und habe bislang noch keine Konkurrenz gesichtet. Ein Start-Ziel-Sieg wäre eine coole Sache… Nach ein paar Stunden in teilweiser knietiefer Mocke beginnt starker Regen. Ist mir egal! Der Regen ist für alle gleich und mir macht das weniger als den anderen. Außerdem formuliere ich gedanklich beim Fahren schon diesen Presstext. Den soll mir keiner mehr nehmen. In Weißenbach nach ca. 50 km habe ich bereits 16 Minuten Vorsprung auf die 2. Frau – die Italienerin Michela Ton. Will noch nichts heißen, also: weiterkämpfen!!! Grundsätzlich ist auch das Zeitlimit bei diesem Rennen so ein Ding. Ich mache mir da für mich grad keinen großen Kopf aber grundsätzlich ist das Zeitlimit nach hinten raus immer restriktiver und begrenzt den Anteil der Frauen, die das Ziel erreichen können. Das hat ganz pragmatische Gründe: nach 16 Stunden fängt einfach die Abenddämmerung an. Aber da will ich ja lange im Ziel sein!

Susan Hafermalz und Jens Machacek von meinem Team FELT ÖTZTAL X-BIONIC haben sich ganz spontan bereit erklärt, mich bei diesem Rennen zu betreuen und ich freue mich jetzt einfach, die beiden an den Assistenzpunkten der Strecke zu sehen und mich betüddeln zu lassen.
Bei 211 km und 7000 hm braucht man von Anfang an keine km oder Höhenmeter zu zählen – sonst wird man wahnsinnig. Man muss die Aufmerksamkeit auf andere Dingen lenken. Zum Beispiel an Schuhe kaufen, Taschen, Gürtel, Tücher….Der Flow soll schließlich nicht abreißen. Das Rennen kommt mir trotz der sehr widrigen Bedingungen mühelos vor. Gegen 12:00 Uhr bin ich müde. Nicht erschöpfungsmüde sondern bettschwer, immerhin hat der Wecker um 3.00 Uhr geklingelt. Ein bißchen Red Bull und eine Koffeinampulle am Verpflegungsstand schicken alle Antennen wieder ins Renngeschehen. Die Trails erfordern höchste Konzentration, da sie technisch sehr anspruchsvoll sind. Ich habe mich aus Gewichtsgründen für mein Hardtail „FELT SIX“ entschieden.

Das Rennen ist nach 100 km einsam geworden. Die 600 Starter der Extremdistanz sind jeder für sich auf dem Weg. Da heißt es, sich bei einem einsamen Rennen zu motivieren. Ich höre zwischendurch ein wenig Musik und bekomme gute Laune. Ich bin pitschnass, aber das macht nichts, ich will ja gewinnen und außerdem sind die Klamotten von X-Bionic zwar nass, aber nicht kalt. Bei km 170 habe ich das Gefühl, dass ich ohnmächtig werden könnte. Wenn ich einen Lidschlag mache blitzt es, das kenne ich auch noch nicht, aber das verschwindet dann auch wieder.

Da mir alle, die ich zu diesem Rennen befragt habe, berichteten, dass die Ernährung das größte Problem bei dem Rennen ist, stopfe ich in mich rein, was mir unter die Finger kommt. Brote, Riegel, Kekse, Gels, Knäckebrot. Man berichtet, dass man nach einigen Stunden nur noch Flüssiges zu sich nehmen kann. Bei mir geht alles und mir schmeckt es. Kein Hungerast und dank der Kälte und des sintflutartigen Regens auch kein Theater mit den Füßen. Am letzten Assistenzpunkt stopft Susan mir noch einen Keks in den Mund und meint „wir sehen uns im Ziel!“. Genau! Und da jetzt so schnell hin wie möglich!

Im Ziel kann ich es kaum glauben: ich habe es geschafft und tatsächlich gewonnen und das mit 41 Minuten Vorsprung auf die 2. Frau und einer super Zeit. Ich bin glücklich! Erstmal ins Hotel und ab in die Badewanne. Im feuchten Badewannendunst habe ich auf einmal das Gefühl mir könnte der Kreislauf schwinden… Salzkammerguttrophy gewonnen und dann in der Badewanne ohnmächtig geworden und vor der Siegerehrung verreckt. Das geht ja mal gaaaar nicht: Also raus, anziehen und ab zur Siegerehrung!

ein Kommentar

  • susanne roßmüller | 01. Sep 2012

    …Wie man bei solch einem rennen gleichzeitig den pressetext formulieren kann…- wirklich erstaunlich!!!

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