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Sieg beim Kellerwald Marathon am Gilserberg!

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After my crash during the Salzkammergut-Trophy in July 2014 I suffered from severe problems with my right shoulder due to laceration of the rotator cuff and partial rupture of the supraspinatus filament. Both were diagnosed to need surgery. As it was expected that the surgery would go along with 6 months of MTB abstinence I decided to take part in a 4-stage race in Lanzarote on January, short before the scheduled operation.

I prepared for the race on Lanzarote with alpine touring during Christmas and New Year’s Eve vacation. The first two stages went quite sensational. I reached twice in second place behind olympic athlete Blaza Klemencic from Slovenia only 4 minutes behind her – a very good performance which I had not expected. Unfortunately I got increasing problems with the respiratory tract. I suffered from increasing dyspnea and wheeze so I presented to hospital after the second stage for clarification. The radiography revealed an unclear diagnosis and – bang – admission to hospital with suspicion of lung cancer, waiting for clarification  by means of a tomography. When I was out of hospital after my problems turned to be a mere bronchitis the race was over…. The only positive: in the hospital I was given lots of painkillers and anti–inflammatories so that at least my shoulder pain had improved in the meantime.

On January 30, I went back home as it was planned to present in hospital for shoulder surgery on 1 February. On the fly I obtained a second opinion concerning my shoulder which stated: no surgery necessary – whohooo. Let´s start training! However, after a few days I got severe toothache, a tooth had to be capped. Therefore some gingiva was removed but – ohlala – it was a little bit too much. So two weeks with 2 times a day to the dentist for treatment – Training? Unmentionable! It is now mid-February. When the tooth was finally healed the wave of influenza came – even to me – and shot me for 4 weeks. When all was well again it was mid of March and only one month left to prepare for the season ….

Will say, actually, everything was as usual ;o)))) …

However, in April I passed two weeks in Vinschgau, where we I found best conditions for training. Last Sunday now season opening at the 18th edition of Kellerwald Marathon at Gilserberg:

The Kellerwald Marthon at Gilserberg is the traditional season opener (this year 18th edition). It is also a fitness check for the first really big and important races in the season (e.g. Riva Marathon at Lake Garda on May 2, 2015). Already at the last hard workout on Monday before the race, I had the feeling that my fitness is not as bad as it would have to be expected :o))).

Unfortunately, the starting lists for the marathon are not visible in advance, so you will be faced with the competition on-site. I saw professional Katrin Schwing, who is without doubt the favorite to the race. However, in the morning – following a strange intuition – I decide to beat her in the race! This ist totally unrealistic but… if you have your goals in mind and clearly state them then you have a real chance to perform or wasn´t it this way?

So, let’s go! From the start I moved in 3rd place. Ann-Kathrin Hellstern a real marathon grenade U30 started with Katrin in first position but she was going the 120 km distance while Katrin and the rest of my serious competition (eg my 2–fold Transalp partner and now team mate Bettina Dietzen) were going for the 80 km distance. I could dissociate the competition quite well behind me, with Bettina having problems with the gear on her new Cannondale FSI bike. During the race, I have a good feeling, although Katrin still ;o))) in top position out of sight an no idea about the distance between us. On the other hand also no one in sight behind me – so could be worse!

Suddenly during the second of two laps I see a pink leopard with red mane along the way, just inflating a tire  – oh ooooh my objective formulation of this morning – so unrealistic it was – could nevertheless still come true now. From then on, I cycle full gas and reach the finish line in first position overall after 84 kilometers. For Kathrin I’m very sorry, she is always performing super strong but however, everyone has sometimes episodes of bad luck during race career.  For example me at the Salzkammergut-Trophy last year… So I am nevertheless very happy with my first position.

The morning after the race I awake with an insect bite in the right eyebrow. I am looking quite as having taken part in a boxing match but not being the favorite ;o(. I am sure, the insect was jumped over from the leopard skin;)))) …

Next Race: Riva marathon on May, 2 with me on the long distance (95 km and 3800 altimeter).

1. Platz AK beim Malevil Cup in Tschechien am 21. Juni 2014

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Der Malevil Cup in Tschechien gehört zur Marathon Man Europe Serie. Die bedeutendste Marathon-Serie Europas umfasst in diesem Jahr 4 Rennen und zwar den Riva-Marathon, den Malevil-Cup, die Salzkammerguttrophy und den Erzgebirgsmarathon – durchweg traditionsreiche Rennen. Da ich dieses Jahr schon in Riva auf der Langdistanz gestartet bin und die Salzkammerguttrophy auf dem Plan habe, fehlt mir noch ein 3. Rennen um die Serie zu komplettieren. Der Erzgebirgsmarathon wird leider wie immer dem Familienurlaub geopfert sodass nur eins bleibt: ab nach Tschechien zum Malevil Cup.

 

Da sich die Zimmersuche von Zuhause aus ein wenig kompliziert darstellt überlege ich im Vorfeld, mit dem Wohnmobil anzureisen. Mein Freund Thomas rät mir dringend davon ab und schlägt vor, auf der deutschen Seite im Kurort Oybin eine Unterkunft zu suchen. Gesagt getan.

 

Am Freitagmorgen komme ich um 10:00 Uhr in Oybin an. Ich bin ratzemüde von der Fahrt und das Hotel ist geschlossen. Es öffnet seine Pforten erst um 14:00 Uhr. Meine bleidernde Müdigkeit zwingt mich auf den Autositz. Nur ein bißchen ausruhen. Nach 1.5 Stunden werde ich wieder wach upss…. Ich beschließe erst einmal die Lage in Tschechien zu sondieren. Also „Malevil Ranch“ ins Iphone eingeben (der Golfclub „Malevil-Ranch“ ist der Veranstaltungsort des Rennen) und ab geht die Post. JETZT weiß ich warum ich nicht mit dem Wohnmobil anreisen sollte. Jenseits der Grenze wandeln sich die Straßen in Waldpfade. Zuhause wäre hier definitiv Autoverbot. Das Navi führt mich über Krompach. Hier sind grad Straßenbauarbeiten im Gange. Da wo mal Gullis installiert werden sollen sind jetzt mannstiefe Löcher im Abstand von 2 Metern und ich zirkel mir den Weg in der Hoffnung dass die Vorderräder nicht einfädeln. Junge Junge…  Abenteuer!!!

 

Auf der Ranch angekommen erfahre ich, dass die Startunterlagen erst um 16 Uhr ausgehändigt werden. Also wieder retour ins Hotel. Ich bin auch schon wieder so müde. Um 14:00 Uhr ein Nickerchen und wieder werde ich 1.5 Stunden später immer noch müde wieder wach. Was ist hier los?

 

Wieder zur Malevil Ranch. Den Weg kenne ich ja jetzt. Aber unterwegs sieht alles gleich aus: war das jetzt hier rechts oder geradeaus? Navi an: kein Tschechien im Angebot. Iphone: Netzwerkfehler. Na super. Die Straßenschilder haben außer Ortsnamen mit sehr vielen „Cs“ mit Säbel dran auch keinen großen Informationswert. Eins weiß ich: durch Krompach fahr ich aber nicht mehr! Nach fast einer Stunde Fahrt statt 16 Minuten erreiche ich irgendwie die Ranch und ärger mich ;o))). Ich fasse die Startunterlagen und das Drama wiederholt sich auf der Rückfahrt. Gut, dass das heute passiert und nicht auf der Fahrt zum Start!!!

 

Der Wecker klingelt um 5:30 Uhr. Ich habe viiiiiiel Zeit für die Fahrt zum Start eingeplant ;o))). Erreiche die Ranch planmäßig (hier ist Ziel) und radel von dort ins 5 km entfernte Jablonné (hier ist der Start des Rennens). Peng – der Startschuss knallt und ich öttel los. Der Puls will nicht hoch und ich habe das Gefühl einen Fallschirm hinter mir herzuziehen. Ein bißchen habe ich das Problem immer, aber heute ist es extrem. Ich werde reihenweise überholt. Was ist hier los? Egal. Ich bin weit angereist, will Punkte für die Serienwertung sammeln und ignoriere alle weiteren Umstände.

 

Das Rennen folgt anderen Regeln als gewohnt. Peng und eine wilde Horde hetzt los. Kein neutralisierter Start, Führungsfahrzeug oder so ein Quatsch – hier ist noch Ursprünglichkeit. So in etwas müssen sich die ersten Rennen angefühlt haben. Mitten in der Startphase geht’s auf einen Wiesenweg. Aus den in die Luft schießenden Bikern leite ich ab, dass eine ziemlich tiefe Bodenwelle im Anmarsch ist. Das ist hier überhaupt das Prinzip: Geländeauffälligkeiten wie Stufen oder Löcher werden durch Ausfälle der Vordermänner angezeigt wo zuhause Schilder mit  „Gefahrenstelle in 30, 20, 10 m“ aufgestellt werden. Zum Beispiel findet sich irgendwann auf der Strecke hinter einer Kurve eine metertiefe Steinstufe ohne Vorwarnung. Die Entscheidung, ob ich die fahre oder nicht nehmen mir die zwei Jungs ab, die hinter der Stufe liegen und ihre Bikes entknoten. Mein Teamkollege Felix kommentiert das so: der Mann, der die Strecke markiert, denkt „oh, das ist aber eine hohe Stufe… Na komm, scheißegal, ich muss das ja nicht fahren und zakk hängt das Flatterband an der Strecke“ ;o))).  Das hat aber auch den extremen Vorteil, dass hier endlich mal richtig ruppige Trails die Rennstrecke bilden und nicht diese ollen Forstautobahnen wie bei den meisten Rennen im Mittelgebirge.

 

Das Land ist wildromantisch, die Berge sehen aus wie kleine Sandhügel in grün, der Wald ist dicht und besteht haupsächlich aus Nadelholz und immer wieder tauchen Knusperhäuschen auf. Willkommen im Märchenland. Ich bin begeistert.

 

Nach 2 Stunden Rennen hat mein Körper eine gewisse Idee, dass es sich hier um ein Rennen handeln könnte und legt 3 Pulsschläge drauf. Ich schaue schon gar nicht mehr auf die Pulsuhr – das irritiert mich nur. Dass ich nach wie vor mit den gleichen Leuten zusammen fahre gibt mir ein gutes Gefühl. Auf den Trails gebe ich Vollgas bergab und habe immer wieder ein breites Grinsen im Gesicht, wenn am Ende eines Trails hinter mir niemand mehr zu sehen ist. Yippieh! Das Rennen ist extrem kurzweilig und macht trotz meines komischen Zustands viel Spaß. Nach 5:22h auf der 100 km-Runde erreiche ich die Malevil-Ranch als erste Frau meiner Altersklasse. Hier war ich nicht das letzte Mal. Tolle Organisation, geniale Trails, freundliche Menschen und eine wunderschöne Landschaft waren alle Strapazen wert.

 

Im Ziel lerne ich meinen Teamkollegen Johannes Hauptmann kennen, eine 63-jährige MTB-Geheimwaffe – wenn ich in 18 Jahren noch so gut drauf bin, dann habe ich in der Zwischenzeit alles richtig gemacht ;o))).

 

Meine Teamkollegin Christiane Wolf gewinnt die Altersklassenwertung über die 65 km und wir freuen uns gemeinsam, an diesem Wochenende die Gold-Mädels des r2-bike.com MTB RACING Teams zu sein.

Bericht von der 12h-WM in Weilheim am 31. Mai 2014

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Dieses Jahr steht Mitte Juli wieder die Salzkammerguttrophy in Bad Goisern auf meiner Renn-Agenda. Mit 211 km und 7000 Höhenmetern an einem Tag ist das Rennen ein harter Brocken. 2012 konnte ich die Langstrecke mit einer Fahrzeit von 14 Stunden für mich entscheiden. Da erschien mir die 12h-WM in Weilheim als „Vorbereitungsrennen“ genau richtig.

 

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Nun muss man dazu sagen, dass ich noch nie an einem 12h-Stunden-Rennen teilgenommen habe. Im Gegensatz zur Salzkammerguttrophy, bei der eine riesige und sehr abwechslungsreiche Runde von 211 km gefahren wird, besteht die Runde in Weilheim aus gerade mal 6 km. Ich befürchte einen Drehwurm und nehme mir auf jeden Fall den Montag nach dem Rennen frei, um die gleiche Rundenzahl wie bei der WM um den Unterbacher See vor unserer Haustür (Umfang 5.7 km) in die Gegenrichtung zu drehen, damit ich spätestens Dienstag wieder gerade gucken kann.

 

Meine Teamkollegen Christiane Wolf und Felix Karnutz starten ebenfalls in Weilheim im 2er-Mixed-Team und Joachim Oberföll wie ich als Einzelstarter bei den Mastern. Schon Tage vorher füllen wir die Chats bei Facebook „wer bringt was wo wie mit?“. Joachims Frau Tajana erklärt sich bereit, mich bei dem Rennen zu betreuen und im Gegenzug entscheide ich mich, mit dem Wohnmobil anzureisen und dieses Tajana und Joachim für die Übernachtung zur Verfügung zu stellen, da ich für michschon ein Hotelzimmer gebucht hatte.

 

Donnerstagnachmittag komme ich auf dem Gelände der 12h WM an. Ich befinde mich im Schnäppchenjägermodus, um den besten Stellplatz zu ergattern und muss feststellen: das Stellplatz-Gelände ist schon markiert, aber es ist noch gar niemand da. Umso besser. Sintflutartige Regenfälle haben den Stellplatz allerdings in ein Feuchtbiotop umgewandelt und ich befürchte, mich mit dem Wohnmobil festzufahren. Die Zufahrt zum Gelände ist auch eine Challenge…: von einem sehr schmalen Feldweg geht es eine kleine Rampe fast senkrecht runter auf die Wiese. Mit einem 7m-Wohnmobil nicht so doll… aber nützt ja nix (wie sich später rausstellt, war die „offizielle“ Zufahrt vom Dixie-Klo-Lieferanten zugeparkt und war somit als solche leider nicht erkann
bar …. ). Ich fasse allen Mut zusammen und einen Stellplatz ins Auge, vorsichtig die Rampe runter und dann höre ich es hinten auch schon knirschen. Das Heck war ausgeschwenkt und an einem Pfosten des Feldwegs hängengeblieben. Die Heckschürze hat einen Riss – das fängt ja spitzenmäßig an! Mit Schwung düse ich auf den Stellplatz, packe meine Siebensachen und mache mich in strömendem Dauerregen mit dem Bike auf den Weg zu meinem Hotel in Huglfing. Mittlerweile ist es 20:15 Uhr und ich will nur noch was essen und ins Bett. So ein Sch….

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Am nächsten Morgen versuche ich die Welt wieder durch die rosarote Brille zu sehen. I-pod an und ich radel über schöne Feldwege nach Weilheim. Dort angekommen schneidet mir ein Autofahrer in einer Rechtskurve den Weg ab und ich stürze an der Bürgersteigkante. Der Kopfhörer vom ipod verfängt sich in der Kurbel. Zum Glück hat das Bike keinen Schaden genommen. Das Aggressionsbarometer steigt auf „hoch“…

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Gemeinsam baue ich mit meinen Teamkollen unseren „Stand“ auf, Brote werden geschmiert, Trinkflaschen präpariert und die Aufregung steigt so langsam. Es ist kalt, nass und windig, aber am Renntag soll es tatsächlich besser werden. Also noch ein leckeres Steak am Abend und dann früh ins Bett, denn der Wecker klingelt um 5:30 Uhr.

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Am Renntag sind es morgens 4 Grad. Ich ziehe alles an, was ich dabei habe und mache mich mit dem Bike auf von Huglfingnach Weilheim. Es ist nebelig, die Felder voller Tau und die Sonne kann man diffus schon erkennen. Schöne Stimmung ich bin zuversichtlich, dass es ein guter Tag wird.

 


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Im Startblock stelle ich mich ganz nach vorne, denn ich will gleich Fakten schaffen ;o)))). Die Runde ist aufgrund der sintflutartigen Regenfälle anspruchsvoll. Knietiefer Matsch und fast ebene, übelst rutschige Wurzelpassagen verlangen der Konzentration und der Kraft alles ab und ich frage mich, wie das nach 11 Stunden noch funktionieren soll. Ein knietiefes ca. 30 m langes Matschloch hat der Veranstalter freundlicherweise mit Sägespänen auffüllen wollen, diese sind jedoch schon im Matsch versunken. Das kann ja lustig werden.

 

Nach 2 Runden habe ich 5 Minuten Vorsprung herausgefahren. Leichte Probleme beim Schalten auf das große Kettenblatt kündigen sich allerdings an. Die Schaltung ist äußerst schwergängig. Und dann in Runde 3 der Gau: es schaltet gar nicht mehr. Ich kann die Schalthebel wie einen Propeller 360 Grad drehen. Bei der Zieldurchfahrt rufe ich dem Stadionsprecher zu, dass ich Hilfe brauche. Er verweist mich an den Renn-Mechaniker. Ich vermute, dass der Schaltzug gerissen ist, leider stellt sich jedoch heraus, dass der Schalthebel defekt ist. Hierfür ist kein Ersatz vor Ort und ich muss nun ein paar Entscheidungen treffen. Aufgeben oder Weiterfahren? Es ist ja grad mal 1 Stunde rum… Großes oder kleines Kettenblatt? Und wie motiviere ich mich eigentlich jetzt? Mein Blick fällt auf das Akronym meines Namens auf meinem Oberrohr. Das hat meine Freundin Bianca mir für das Rennen erstellt:

 

N   ervenstark

A   ngriffslustig

T  ough

A  usdauernd

S   elbstsicher

C   ool

H  ochmotiviert

A   kribisch

 

Mein Blick bleibt direkt beim N hängen. Nervenstark…. genau! Das bin ich jetzt, denn Aufgeben kommt auf keinen Fall in Frage. Also Kette aufs kleine Blatt und weiter geht´s. Beim Passieren meiner Verpflegungsstelle brülle ich zu Tajana: „die Schaltung geht nicht mehr!“, sie: „egal! Du hast 20 Minuten Vorsprung!“. 20 Minuten? Na dann kann ich ja wirklich weiterfahren… Erst viel später wird mir klar, dass das irgendwie nicht stimmen kann, aber jetzt ist es eh egal. Ich bin auf Weiterfahrmodus. Tajana, Du bist echt der Knaller ;o))))….

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Die Strecke besteht aus Asphaltanstieg, kleine Wurzelabfahrt, kurzer Schotteranstieg, lange Wurzelabfahrt mit Spitzkehre und Schotterrampe, gerader Wurzeltrail, gerade Passage, Matschloch, Asphaltabfahrt und Wiesendurchfahrt. Auf der Asphaltabfahrt fehlt mir das große Blatt am meisten. Ich kurbel wie ein Duracell-Häschen und verfluche, dass ich noch nie einen Spinning-Kurs besucht habe, wo man sich mal eine 140er-Kadenz hätte aneignen können. Das bringt alles nix. Ich beschließe, in dieser Passage einfach nicht mehr zu treten und mich auszuruhen. So verliere ich zwar pro Runde ca. 1.5 Minuten im Vergleich zu den Vorrunden mit intakten Rad,beschliesse aber, diese wieder bergauf rauszufahren. Runde um Runde hat Tajana immer das richtige Getränk und vor allem das richtige Wort parat. Mal kriege ich eine handvoll TUCs bis ans Zäpfchen gestopft, mal einen Klapps auf den Po oder einfach ein „fahr einfach!“ hinterhergerufen. Genial!

 

Nach 7-8 Stunden wird es zäh. Ich habe trotz allem mittlerweile 1 Runde Vorsprung (also diesmal wirklich…) aber Beine sind müde und die Rampen kosten Kraft. Aber siehe da… nach 9 Stunden läuft es wie von selbst. Rampe-Matschloch-Wurzeln und wieder eine neue Runde. Mittlerweile habe ich zu jeder Wurzel eine enge Beziehung aufgebaut und alles ist nicht mehr schlimm.

 

Dann die letzte Stunde. Ich bin auf der drittletzten Runde und denke, jetzt kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Ich öttel die 3 Meter breite Asphaltstraße hoch, ganz links wie alle fahren, da dort durch den Hügel links mehr Windschatten ist. Auf einmal kommt ein junger Hitzkopf (oder besser Dummkopf?) rechts an mir vorbeigeschossen, zieht vor mir nach links, sodass sein Lenker sich in meinem verhakt. Wir stürzen beide und er fängt auch noch an rumzupöbeln. Junge, junge. Das habe ich wirklich noch nicht erlebt. Auf einer 3 Meter breiten Straße bergauf umgefahren werden… Jetzt habe ich nur noch Panik, dass das Rad einen weiteren Defekt hat. Jetzt habe ich mich 10 Stunden mit nur einem Kettenblatt Runde um Runde gequält und alles für nix weil so ein Jungspunt einen Optiker braucht? Gottseidank dreht sich noch alles und weiter geht es. Bloß keinen Gedanken mehr daran verschwenden. Mein weißer linker Handschuh färbt sich derweil am kleinen Finger rot. Ist mir egal, ich guck jetzt einfach woanders hin.

 

Die vorletzte, 33. Runde ist zu Ende und die Uhr zeigt noch 24 Minuten an. Da schaffe ich glatt noch eine! Die genieße ich jetzt. Irgendwie ist das Rennen trotz aller Widrigkeiten und schlechter Vorzeichen dann doch schnell rumgegangen. Im Ziel kann ich es kaum fassen: ich bin mit 34 Runden Weltmeisterin der 12h von Weilheim geworden!!! Und es war garantiert nicht das letzte 12h Rennen!

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Was die Freude umso größer macht, ist dass meine Teamkollegen auch allesamt super abgeschnitten haben: Christiane und Felix können den 2. Platz in der 2er-Mixed-Wertung für sich entscheiden und Joachim belegt trotz Kurbeldefekt einen beachtlichen 3. Platz bei den Masters. Es war außerdem toll meine Teamkollegen bei diesem Rennen näher kennenzulernen

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Lieben Dank an Tajana für die wirklich einzigartige Betreuung, an alle Freunde (besonders Norbert, der bis zuletzt an meinem Bike geschraubt hat und Bianca für Mucke und Akronym), Helfer und Sponsoren  (r“-bike.com!!!) und natürlich an meine Familie, die mal wieder ein Wochenende auf mich verzichten musste.

 

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Mountainbiken auf den Spuren des Rothaarsteigs

Mountenbiken-HoherKnochen

Termin 1: Mi.–Fr., den 7.–9. Mai 2014
Termin 2: Mi.–Fr., den 11.–13. Juni 2014
Termin 3: Mi.–Fr., den 2.–4. Juli 2014

Weitere Informationen & Anmeldung:

Download Flyer

RIVA-Bike Marathon – Ronda Extrema (94km und 3900 hm) – 1. Platz AK, overall Top 10!

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Seit dem letzten Bike-Marathon am Gilserberg am 13. April plagten mich komische Kopfschmerzen an Hinterkopf und Nacken, die einfach nicht verschwinden wollten. Blöd, denn der nächste Marathon in Riva am 3. Mai stand ja quasi vor der Tür.  Feldmarschmäßig geplant wollte ich den Familienosterurlaub noch schön zum Training nutzen (wenn man eine 6-jährige Tochter den steilen Anstieg zum San Giovanni mit dem Streamliner von Tout-Terrain hochzieht kann man das durchaus als Trainingseinheit bezeichnen…. ), mich danach ausruhen und dann topfit beim Marathon starten. Und dann kam alles ganz anders.

 

Am Gardasee angekommen, herrliches Wetter, ich fahre den ersten Berg der Ronda Extrema (93,93 km, 3813 hm) ab und bin danach erstmal richtig krank. Lymphknoten dick und dunkelgrüner Rotz in allen Bereichen. Zeitgleich setzte Dauerregen ein, der sich weitere 8 Tage halten sollte. Gleich zum Arzt, Antibiotikum und Daumen drücken, dass sich der Spunk bis zum Marathon noch verzieht. Viel geschlafen und nicht trainiert.

 

Am Tag vor dem Marathon nimmt sich Claudia Seidel – die Lebensgefährtin unseres Team-Chefs Ronald Andracek, ihres Zeichens ausgebildete Physiotherapeutin, noch meiner Halswirbelsäule an und löst einige Blockaden und am Renntag dann oh Wunder:

 

Ich wache nach 2,5 Wochen erstmals ohne Kopfschmerz auf (Danke, Claudia!) und fühle mich ausgeruht und habe richtig Lust auf das Rennen (vielleicht sollte ich zuhause doch mal meine Schlafkultur überdenken….) und auch der Gardasee zeigt sich wettertechnisch von seiner besten Seite.

 

Der Start ist wie immer in Riva und führt über Straße nach Varignano. Dort einmal links in einen steilen Karrenweg. Üblicherweise FAHREN die ersten 50 dort hoch, der Rest schiebt, nachdem 2-3 Leute Kettenklemmer haben. Das heißt vom Start weg kurbeln bis man kotzt und danach ausruhen… Wegen der STartkurbelei und meiner großen Begeisterung für die 1×11 Schaltung habe ich mich für ein 34er Kettenblatt und 11-42 Ritzelpaket entschieden. Zunächst läuft auch alles prima.

 

Am ersten Berg tüte ich 3 Frauen ein und in der Abfahrt kommt Danièle Troesch in Sicht – meine Transalppartnerin von 2011. Jetzt weiß ich, es läuft nach dem schwierigen letzten Jahr mit 2 Lungenentzündungen wieder auf altem Niveau. Das Cannondale F29 schnurrt wie ein Kätzchen, alles prima und ich hab gute Laune. Am 3 Berg bin ich 5 Minuten hinter meinem Trainingspartner Norbert Geisler und das bedeutet, ich bin richtig gut unterwegs. Leider entpuppt sich der zweite Teil des Rennens, in dem es laut Höhenprofil „quasi“ nur noch bergab geht als ziemlich gemein. Immer wieder gibt es kurze „Schnapper“ mit sehr matschigem Untergrund, die ich mit 34/42er Übersetzung mit einer gefühlten Trittfrequenz von ca. 7.8 hochblase. Das zieht ordentlich Strom aus den Aggregaten. Der letzte Anstieg zum Bocca di Tovo läuft dann mehr als zäh und vor meinem geistigen Auge kreiselt das 32er Kettenblatt, das in der Ferienwohnung auf dem Esstisch liegt. Aber endlich sind wir oben. Die bockige Abfahrt kann mir jetzt auch nicht mehr „imprägnieren“ :p))). Ich will nur noch ins Ziel. Am Ende der letzten Abfahrt fehlt dann ein Schild. Die 3 Holländer, mit denen ich unterwegs bin, biegen souverän rechts ab in Richtung bergauf. Ich bin skeptisch, frage, ob sie sich sicher sind. Ja, Man(n) ist sich ganz sicher. Am nächsten Abzweig – ebenfalls ohne Markierungsschild – ist man(n) sich dann allerdings nicht mehr so sicher. Wir drehen und rasen bergab. Hoffentlich ist mir dadurch niemand durch die Lappen gegangen (4 Minuten hat die Extraschleife gekostet sagt mein Garmin abends…).

 

Wie immer am Ende ist der letzte Gipfel des Rennens dank einsetzender Ora, die Fahrt nach Riva in der Ebene. Jetzt nur nicht mehr einholen lassen. Im Ziel bin ich dann 10. Frau overall (yes! Top 10 geschafft trotz UCI Status und hochkarätigem Starterfeld). In meiner Altersklasse schaffe ich es sogar auf Platz 1 und bin einfach nur happy. Darauf kann man weiter aufbauen. Jetzt nur schön gesund bleiben…

 

Bis zum nächsten Mal….

Eure Natascha

Kellerwald Marathon 2014

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Im Vinschgauer Trainingslager sind mein neues Cannondale F29 und ich enge Freunde geworden. Grund genug, unsere Einheit beim Saisonauftaktsrennen – dem Kellerwald-Marathon am Gilserberg – unter Beweis zu stellen. Ich entschied mich für die 80 km Strecke. 40 km war mir zu kurz für das was ich mir für die laufende Saison vorgenommen habe (12 h WM) und 120 km war mir so früh im Jahr zu lang, bzw. zu laaaaangweilig, da 3 gleiche Runden gefahren werden und man sehr einsam ins Ziel kommt. Außerdem wollte ich abends noch meinen Geburtstag nachfeiern, was die eine oder andere Priorität erfordert ;o).

Vom Start weg lief es ganz gut, nach 10 Minute zog es mir den Stecker, von daher alles wie immer. Danach geht es dann normalerweise rasant wieder aufwärts. Diesmal Schoß mir aber nach ca. 40 min jemand einen Medizinball in den Nacken. Keine Ahnung was das war, auf jeden Fall setzten Kopfschmerzen ein. Keine Ahnung woher aber erstmal ignorieren. Erstmal Musik an und gute Laune produzieren. Gefuchtel neben mir. Musik aus und jemand will mir was erklären, aber ich hör schon: irgendwas quietscht ganz gewaltig. Ich bleibe stehen und siehe da – es ist mein Hinterrad. Die Bremsbacken schleifen was das Zeug hält und das Rad dreht sich kaum mehr. Ich rüttle ein wenig an der Bremsscheibe und kneife an den Bremsen, aber das bringt leider nicht viel. Also Augen zu und durch. Ich bin mittlerweile nicht sicher, an welcher Position ich liege. Die zweite Runde fällt mir schwer. Zum einen weil es halt die 2. Runde ist, zum anderen weil die Bremse enorm schleift und zum dritten weil die 1×11-Schaltung doch ein paar mehr Körner an den Rampen der zweiten Runde (die die gleichen wie in der ersten Runde sind) erfordert als bisher mit 3×10 (jaja ich hätte mich da schon frühzeitig mal an 2×11 gewöhnen können – ich weiß ja…

Ich komme als 2. Frau in meiner Altersklasse ins Ziel. Zu Platz 1 fehlte nur ein Minute, die wäre drin gewesen
Wie immer wenn ich die Ziellinie überquere tilt die Zeitmessung. Der ganze Server schmiert ab und danach wird rekonstruiert wer wann ins Ziel gekommen ist. Zunächst bin ich auf Platz 1, doch Zuschauer haben glücklicherweise den korrekten Zieleinlauf beobachtet, sodass wir die Siegerehrung privat wiederholen. Diese Art von Zielkatastrophe ist mir schon soooo oft passiert, dass ich langsam darüber nachdenke, ob das was mit meinen Energien zu tun hat (ohhmmmmmm)

Mal sehen, ob ich es auch schaffe, den Zeitnahme-Server beim Riva Marathon zum Absturz zu bringen…
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  1. Platz (AK):  Mandy Platzdasch
  2. Platz (AK):  Natascha Binder
  3. Platz (AK):  Bianca Krause

Natascha Binder startet dieses Jahr für das Team

r2-logoAb der Saison 2013 starte ich für das Team

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WM – Meister aller Klassen ;o)

Neben dem Sieg bei der Salzkammerguttrophy war ein weiteres Saisonziel für mich, noch einmal bei der Amateur-WM über alle Altersklassen zu siegen. Dies gelang mir zuletzt 2009.
Die Vorzeichen für dieses Vorhaben waren dann in letzter Minute denkbar schlecht. 10 Tage vorher, zwei Tage nach meinem Start beim Grand Raid Cristalp, starb überraschend meine Schwiegermutter. Eine tolle Frau, die ich sehr mochte und schätzte. Eine Woche vor den World Games war die Beerdigung. Der zweite Todesfall in einem Jahr (im Januar starb mein Vater, den ich sehr geliebt habe). Wie soll man sich da auf ein Rennen konzentrieren? Wie unwichtig wird auf einmal Sieg oder Niederlage im Sport wenn es um einen geliebten Menschen geht? Man kann es aber auch anders sehen. Mein Vater war beim ersten Sieg bei der WM 2008 und auch bei nachfolgenden Rennen dabei und ich habe viele schöne Stunden mit ihm in Hinterglemm verbracht, meine Schwiegermutter hat immer stolz in der Tennisrunde von meinen Erfolgen erzählt. Warum nicht in Gedanken das Rennen diesen beiden tollen Menschen widmen? Ich war nicht so sicher, ob mir das gelingen wird.
Wir (4 Trainingsfreunde, die alle ebenfalls starten wollten und ich) reisen Freitag, den 31.08. nach Saalbach-Hinterglemm, wo es in Strömen regnet. Die Berggipfel sind schon schneebedeckt. Die Webcam vom Schattberggipfel schalten wir sofort wieder aus. Der Renntag soll weniger Regen bringen aber immerhin Kälte um 0 Grad auf den höchsten Gipfeln Schattberg und Zwölferkogel. Welch ein Kontrast zum Grand Raid Cristalp vor zwei Wochen, wo auf 2800m Höhe noch 32 Grad zu messen waren… Nun ja, bei der WM kann man sich unterwegs noch für die Distanz entscheiden. 31 km, 44 km und 81 km stehen zur Wahl und eigentlich weiß ich jetzt schon, dass ich die Langstrecke fahren werde, aber es ist zumindest gut zu wissen, dass man theoretisch abkürzen könnte.
Beim Einfahren am Morgen merke ich, dass mir meine Sommerhandschuhe schon im Ort auf 1000m Höhe deutlich zu kalt sind. Ich radel zum Bike-Shop. Ein Kopfschütteln der Verkäuferin: die warmen Winterhandschuhe sind gestern restlos ausverkauft worden – jaja, die anderen waren schlau… Weiter zum nächsten Shop – der hat noch geschlossen. Mir fällt ein dritter Shop am Ortsende ein. Dort bekomme ich zwar keine Winterhandschuhe aber zumindest ein paar dünne Unterhandschuhe, die ich unter meine Sommerhandschuhe ziehen kann. Der Shop schreibt an, meine Startnummer „2“ bürgt für mich ;o).

Um 9:00 Uhr dann der Startschuss. Ich komme ganz gut weg. Von Hinterglemm nach Saalbach rollt es sehr schnell und leicht abschüssig. In der Fußgängerzone beginnt der Anstieg zur Panoramaalm. Ich liege an 4. Stelle. Ein gutes Zeichen. Das Rennen ist noch lang und die jüngeren Konkurrenten starten meist schnell, halten das Tempo dann aber auf der Länge nicht. Ich habe Blickkontakt zu Frau Nr. 2 und 3. Frau Nr. 3 versäge ich noch am Ende des 1. Anstieges, kurz vor der Panoramaalm. Frau Nr. 2 lasse ich auf der Abfahrt stehen. Frau Nr. 1 ist nicht in Sicht. So geht es in den zweiten Anstieg von 1100 hm am Stück zum Schattberg. Ex- Frau Nr. 2 beißt sich wieder ran und überholt. Bei dem Tempo, das sie an den Tag legt bin ich sicher, dass sie nach dem Schattberg ins Ziel fährt, also auf die mittlere Runde abzweigt.
Auf der Abfahrt zur Hacklbergeralm sende ich diverse Stoßgebete gen Himmel, dass ich mir die Unterhandschuhe noch vor dem Start besorgt habe. Es sind gefühlte -10°C. Soweit mit halb erfrorenen Fingern möglich lasse ich es ordentlich krachen. Die Streckenteilung kommt. Es ist keine Frage mehr: ich beiße mich hier und heute durch die lange Runde. Kurz nach der Streckenteilung sehe ich Frau Nr. 1 – yes!!! Ex-Frau Nr. 2 ist wie vermutet bereits auf dem Weg ins Ziel. Die Möglichkeit den Gesamtsieg einzufahren rückt damit in den Bereich des Möglichen. Offensichtlich habe ich bergab viel Boden gut gemacht. Das ist prima, denn es sind ja auch bergab noch einige Höhenmeter vor uns und es zeigt mir, dass Frau Nr. 1 mir bergab unterlegen ist.
Der dritte lange Anstieg zum Zwölferkogel, bei dem ich in den letzten Jahre immer ganz gut punkten konnte, weil ich den Anstieg hochfahren konnte, während die Konkurrenten schieben mussten steht nun an. Ich komme mit Frau Nr. 1, Angelika Tazreiter, kurz ins Gespräch. Sie fragt, ob ich Expert-(<40 Jahre) oder Masterklasse (>40 Jahre) fahre und ich fühle mich mit meinen 43 Jahren geschmeichelt, dass sie überhaupt fragt ;o). Nun ist klar: wenn wir so weiter fahren, kommen wir beide aufs Treppchen (sie ist „Expert“), aber klar ist auch, dass wir beide den Gesamtsieg wollen. Es kommt die magische Stelle mit dem Haus in der Kurve, ab der die meisten Teilnehmer schieben und ja, sie steigt ab und schiebt. Gut für mich und schlecht für ihr Ego. Nach dieser Passage geht es normalerweise auf einen rund 200 hm sehr verblockten Abschnitt auf den Westgipfel des Zwölferkogel, von dem ich mir erhoffe noch mehr Vorsprung herauszufahren. Doch dieser Abschnitt wurde offensichtlich vom Veranstalter aufgrund der widrigen Witterungsverhältnisse gestrichen. Schade. Ich habe ca. 1 Minute Vorsprung auf meine Konkurrentin herausgefahren, aber ich weiß sie wird beißen. Nun kommt jedoch erst die lange Abfahrt ins Tal, von der ich mir weiteren Vorsprung erhoffe. Vor uns liegen noch 2 kleinere Anstiege von je 400 hm zur Ossmanalm und zur Rosswaldhütte. Auf dem Weg zur Ossmannalm kann man die Strecke zurück ganz gut einsehen und meine Konkurrentin kommt wieder in Sicht. Ich habe durch die lange Abfahrt ca. 3-4 Minuten Vorsprung. Nicht wirklich viel, ausruhen ist auf jeden Fall nicht angesagt. Ich gebe alles, versuche, den Puls noch einmal richtig in die Höhe zu jagen. Auf dem Serpentinenanstieg gehe ich immer wieder aus dem Sattel. Ich luge in die Serpentinen und arrgh – da habe ich sie gesehen und… sie mich auch!!!
Sie beißt und ich beiße auch. Ich muss es irgendwie schaffen, mich bis zur letzten Kuppe nicht einholen zu lassen. Wenn ich als erste in die Abfahrt gehe, dann gewinne ich auch, dann gewinne ich auch, dann gewinne ich auch. Noch nie habe ich den kleinen Übergang an der Lichtung so herbeigesehnt wie dieses Jahr. Ab dort geht es nur noch bergab. Den Abstand zwischen mir und Angelika Tazreiter schätze ich jetzt auf 40 Sekunden. Aber zakk – ich bin drüber. Nun Knallgas ins Ziel, aber mit Verstand. Mit einem Sturz wäre alles verloren. Ich mache die Bremse ordentlich auf und rolle in Hinterglemm als allererste Frau auf der Langstrecke mit einem Vorsprung von 1:40 Min ins Ziel. Mission erfüllt, ich bin glücklich. Und nun Party on!

Ergebnisse Overall:
1. Natascha Binder FELT ÖTZTAL X-BIONIC 5:40:28
2. Angelika Tazreiter Kürnberg Radler 5:42:09
3. Sabine Strobel Centurion Vaude 5:51:55

Grand Raid Cristalp – Tour der Leiden bei 38°C

Im Anschluss an unseren Sommerurlaub hatte ich noch den Grand Raid Cristalp in Verbier eingeplant. DER Klassiker unter den Rennen, der 1969 – quasi in meinem Geburtsjahr – das erste Mal ausgetragen wurde und dieses Jahr somit zum 23. Mal stattfand. Das Rennen wird auf unterschiedlichen Distanzen mit unterschiedlichen Startorten bestritten. Gemeinsames Ziel aller Distanzen ist das Bergdörfchen Grimentz.
Wir reisen Donnerstags in Verbier an. Beim Blick auf die Speisekarte vergeht einem der Appetit angesichts der Preise. Für den Preis eines Steaks gehen wir daheim mit 3 Mann essen inklusive Getränke… Beim Blick in die Mail vom Veranstalter wird es nicht besser: die Startnummernausgabe beginnt erst am Freitag und zwar in Sitten, was wieder 1:30h Fahrt mit ca. 20 Serpentinen in DIE Richtung bedeutet, aus der wir gerade gekommen sind. Hätten wir das gewusst, wären wir erst Freitag angereist. Nun ja, jetzt sind wir hier. Ich rede mir ein, dass das für meine Höhenanpassung sehr wichtig ist, hole am nächsten Tag ohne mucken in einer 3-stündigen Aktion die Startunterlagen und bleche 49 Euro für ein Steak mit Pfeffersauce. Als Vorbelastung am Freitag fahre ich noch 1 Stunde locker – so der Plan. Um die leicht auf moll geratene Stimmung zu kompensieren gibt es Musik in die Ohren. Von Verbier aus kann man entweder steil bergauf oder bergab radeln, gerade geht nicht. Ich entscheide mich für den ersten Anstieg, Music on, gute Laune kommt und schwups habe ich den ersten Gipfel des Rennprofils erklommen. Hmm…. Das waren jetzt 700 hm – ob das mal so schlau war…?
Am nächsten Morgen klingelt um 4:00 Uhr der Wecker. Der Startschuss hallt um 6:30 Uhr durch die Bergwelt. Das Thermometer zeigt auf 1500m Höhe zu dieser frühen Uhrzeit schon 25 Grad – das wird eine Hitzeschlacht!Der erste Anstieg rollt sowas von gar nicht. Ich werde durchgereicht und schätze mich auf Position 14. Mir laufen heiße und kalte Wellen durch den Körper. Warum warum warum? Mir fallen Antworten ein: im Urlaub zu viel trainiert, die Tage vor dem Rennen zu wenig Ruhe (wie kann man sich am Gardasee ausruhen?), die Tage vorm Rennen zu lange geschlafen und die Vorbelastung zu heftig. Das sind die Fakten und es hilft nix. Ich hoffe darauf, dass ich irgendwann in Tritt komme und meine Aufholjagd starten kann. Nach der ersten Abfahrt, auf der ich mich immerhin ein paar Plätze vorarbeiten kann, beginne ich meine Aufholjagd. Konkurrentin für Konkurrentin knöpfe ich mir vor. Das Feld ist nun superdicht. Irgendwann bin ich laut Zuschaueraussagen an Position 5 angelangt. Nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass ich am ersten Anstieg noch auf Position 14 rumgegurkt bin.

Die Sonne brennt nun gnadenlos. Ich bin 3 Stunden unterwegs und leichter Kopfschmerz setzt ein. Ich habe 40km und 1700hm auf der Uhr. 85 km und 3500hm liegen noch vor mir, inklusive der 45-minütigen Tragepassage ganz am Ende. Die Temperatur steigt stetig. Eine Hitzeschlacht liegt vor mir.
Die Tatsache, dass ich doch ganz gut in den Tritt gekommen bin stimmt mich dennoch positiv. Frau Nr. 4 kommt in Sicht. Ich forciere das Tempo und überhole in der Abfahrt. Es wird mir auf Französich hinterhergeflucht. Sehr gut ;o)…. Ein Zuschauer bestätigt mir, dass ich nun auf Platz 4 liege und murmelt etwas von 9 Minuten auf Platz 3… Ein Sieg ist bei diesem Rennen nicht drin – das war mir von vornherein klar. Die Konkurrenz aus der Schweiz ist sehr groß. Die ersten 3 Frauen nun auf der Strecke sind dieses Rennen bereits mehrfach gefahren, sie kennen die Strecke und sie leben das ganze Jahr in der Höhe und neigen nicht wie ich Flachlandtiroler zur Schnappatmung wenn die Strecke über einen Gipfel von 2800hm verläuft. Da gebe ich mich also keinerlei Illusionen hin. Obwohl… ein Platz auf dem Treppchen wäre natürlich schon schön. Und wer weiß? Rennen werden ganz am Ende entschieden. Also einfach mal weitermachen. Die Sonne brennt und ich komme mit dem Trinken einfach nicht nach. Ex-Frau Nr. 4 – Fanny Viret, hat sich nun wieder rangebissen und wir radeln eine ganze Weile gemeinsam. Frau Nr. 5 hinter uns – Jane Seggie, die für Chalet Spa Verbier startet, kämpft sich immer wieder an uns ran. Achtsamkeit und nicht nachlassen ist angesagt. Irgendwann stoßen Fanny und ich auf die Frau Nr. 3 – Valérie Berthod, die gerade ganz offensichtlich einem üblen Hungerast ins Auge sieht… nun ist alles wieder drin! Fanny und ich kämpfen um Platz 3. Wir sind nun seit gut 7 Stunden auf der Strecke und die berüchtigte Tragepassage am letzten Anstieg nähert sich. Mein Morton Neurom (Nervenentzündung unter dem Fuß) macht mir zunehmend Beschwerden und ich habe das dringende Bedürfnis den Fuß zu kühlen, da das erfahrungsgemäß die Schmerzen lindert. Wir biegen um eine Ecke und zakk! da ist sie! – die üble Tragepassage. Aus dem Augenwinkel sehe ich eine Kuhtränke. Ich steige kurz ab und stapfe mit beiden Füßen in die Tränke. Welch Wohltat. Die Schmerzen unterm Fuß lassen sofort etwas nach. Allerdings nutzt Fanny diese Zeit um einen ordentlichen Vorsprung rauszutragen. Ich nehme mir an der Verpflegung noch 2 Trinkflaschen (wie blöd – die schleppe ich mit rauf und kann doch nicht trinken, weil die Flaschen im Bike, das sich gerade auf meinem Buckel befindet, stecken – die Luft ist auf 2800m zu dünn um über solche Sachen nachzudenken…). Ich bin nun auch richtig gar. Alle Bewegungen sind irgendwie verlangsamt und ich will nur noch, dass es endlich zu Ende ist. Die Platzierung wird mir gerade langsam egal. Ist das der Beginn der Höhenkrankheit? Jane Seggie, die aus Verbier kommt, hat sich nun auch noch rangepirscht und überholt laut grüßend – sowas kann ich ja mal gaaaaar nicht leiden, obwohl verstehen kann ich´s :o)… Ich trage weiter, rechts, links, rechts, links, jeder Schritt eine Qual!

Irgendwann habe ich den letzten Gipfel erreicht. Jetzt nur noch Knallgas ins Tal. Ich mache die Bremse auf. Wie war das? Lieber tot als Schwung verloren ;o)?. Jane Seggie kommt auf Ihrem 29er Fully wieder in Sicht und auch schnell wieder außer Sicht weil ich mit meinem 26er Hardtail vorbeirausche wie ein ICE. Henri Lesewitz würde mir jetzt die Füße küssen ;o). Im weiteren Verlauf der Abfahrt stelle ich aber fest, dass für die letzten 1400 hm ins Ziel ein Fully doch gar nicht soooo schlecht gewesen wäre. Es holtert und poltert nur so dahin. Im Ziel lande ich dann auf dem 4. Platz nach 9:06 h unglaublicher Schinderei bei 38 Grad Hitze, und das auf 1500 HM. Meine Verbeugung gilt den 3 Schweizer Mädels auf dem Podium. Zu Platz 3 fehlten nur 1:40 min. Aber hehe…. Vielleicht komme ich ja nochmal wieder!

Gesamtsieg bei der Salzkammerguttrophy – Schlammschlacht auf 211 km / 7000 hm

Dieses Jahr mal keine Transalp. Das war mein Entschluss Anfang des Jahres, aber ein neues Ziel musste dann her. Und zwar eins das richtig kickt. Aber bitte mal kein Etappenrennen. Nichts lag näher, als es mal mit der Salzkammerguttrophy zu probieren, denn dieses Rennen überschneidet sich grundsätzlich mit der Bike Transalp, bei der ich in den vergangenen Jahren immer gestartet bin.

Die Salzkammerguttrophy ist der größte Marathon Österreichs mit fast 4000 Startern und gleichzeitig ist die Extremstrecke mit 211 km und 7000 hm an einem Tag so ziemlich das härteste Eintagesrennen Europas. Mein Saisonziel 2012 stand also fest: die Extremstrecke der Salzkammerguttrophy gewinnen!!!

Salzkammerguttrophy

Gesamtsieger Salzkammerguttrophy 2012. Natascha Binder mit Ondrej Fojtik


Nun bin ich schon immer auf der Langstrecke unterwegs, das heißt normalerweise 100-130 km mit maximal 4000 Höhenmetern. Mit einer Fahrzeit um die 14 Stunden und 7000 Höhenmetern hatte ich bislang keinerlei Erfahrung gesammelt. Über Facebook erfuhr ich, dass die Profis der Männerspitze Nudeln mit Tomatensauce pürieren und in die Trinkflasche füllen – bäääh. Da wurde mir klar, dass wohl der Ernährung bei dem Rennen erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Wie immer bahnen sich Probleme im ungünstigsten Augenblick an. 4 Wochen vor der Salzkammerguttrophy bekam ich massive Probleme mit den Fußsohlen. Eine Nervenentzündung genau an dem Punkt, wo die Pedale sitzen hatte sich angekündigt. Wie sollte ich damit 14 Stunden radeln? Ich musste im Training bei langen Einheiten alle 2-3 Stunden die Schuhe wechseln. Mir war mulmig wie das im Rennen laufen sollte. Beim Marathon in Willingen (kalt und sehr verregnet) hatte ich jedoch bemerkt, dass die Probleme bei Kälte und Nässe geringer sind und hoffte demzufolge, dass das Wetter bei der Salzkammerguttrophy in Bad Goisern nicht hochsommerlich werden würde.
Mein Wunsch war Petrus wohl Befehl. Es hatte tagelang vor unserer Anreise geschüttet wie aus Eimern und auch am Renntag war der Himmel verhangen. Der Wecker klingelt um 3:00 Uhr. Jungs mit Kuhglocken rennen durch die Gassen und machen Bad Goisern mobil. Dann um 5:00 Uhr der Startschuss – erstmals kein Gerangel am Start. Es wird gewitzelt „so kann das Tempo von mir aus bleiben“. Jeder hat Respekt vor der Strecke. Ich genieße es, dass ich am Start nicht direkt mit Spitzenpuls losrasen muss. Gute Renneinteilung ist das A und O. Von Anfang an bin ich überrascht. Durch den verhaltenen Start komme ich von Anfang an in eine Art Flow. Bei „normalen Marathons“ hetzt man gen Gipfel und zählt die Höhenmeter runter. Was soll ich hier zählen? Es sind ja noch 7000…. Also: ziehen, treten, ziehen, treten. Auf einer Wiese ein knallroter Fesselballon. Augenblicke genießen. Der Tag ist lang und alles ist gut.

Die Trails sind sehr aufgeweicht, moosige Steinpassagen an der Grenze der Fahrbarkeit. Hier kann ich bergab richtig punkten. Ich bin vom Start weg zügig losgefahren und habe bislang noch keine Konkurrenz gesichtet. Ein Start-Ziel-Sieg wäre eine coole Sache… Nach ein paar Stunden in teilweiser knietiefer Mocke beginnt starker Regen. Ist mir egal! Der Regen ist für alle gleich und mir macht das weniger als den anderen. Außerdem formuliere ich gedanklich beim Fahren schon diesen Presstext. Den soll mir keiner mehr nehmen. In Weißenbach nach ca. 50 km habe ich bereits 16 Minuten Vorsprung auf die 2. Frau – die Italienerin Michela Ton. Will noch nichts heißen, also: weiterkämpfen!!! Grundsätzlich ist auch das Zeitlimit bei diesem Rennen so ein Ding. Ich mache mir da für mich grad keinen großen Kopf aber grundsätzlich ist das Zeitlimit nach hinten raus immer restriktiver und begrenzt den Anteil der Frauen, die das Ziel erreichen können. Das hat ganz pragmatische Gründe: nach 16 Stunden fängt einfach die Abenddämmerung an. Aber da will ich ja lange im Ziel sein!

Susan Hafermalz und Jens Machacek von meinem Team FELT ÖTZTAL X-BIONIC haben sich ganz spontan bereit erklärt, mich bei diesem Rennen zu betreuen und ich freue mich jetzt einfach, die beiden an den Assistenzpunkten der Strecke zu sehen und mich betüddeln zu lassen.
Bei 211 km und 7000 hm braucht man von Anfang an keine km oder Höhenmeter zu zählen – sonst wird man wahnsinnig. Man muss die Aufmerksamkeit auf andere Dingen lenken. Zum Beispiel an Schuhe kaufen, Taschen, Gürtel, Tücher….Der Flow soll schließlich nicht abreißen. Das Rennen kommt mir trotz der sehr widrigen Bedingungen mühelos vor. Gegen 12:00 Uhr bin ich müde. Nicht erschöpfungsmüde sondern bettschwer, immerhin hat der Wecker um 3.00 Uhr geklingelt. Ein bißchen Red Bull und eine Koffeinampulle am Verpflegungsstand schicken alle Antennen wieder ins Renngeschehen. Die Trails erfordern höchste Konzentration, da sie technisch sehr anspruchsvoll sind. Ich habe mich aus Gewichtsgründen für mein Hardtail „FELT SIX“ entschieden.

Das Rennen ist nach 100 km einsam geworden. Die 600 Starter der Extremdistanz sind jeder für sich auf dem Weg. Da heißt es, sich bei einem einsamen Rennen zu motivieren. Ich höre zwischendurch ein wenig Musik und bekomme gute Laune. Ich bin pitschnass, aber das macht nichts, ich will ja gewinnen und außerdem sind die Klamotten von X-Bionic zwar nass, aber nicht kalt. Bei km 170 habe ich das Gefühl, dass ich ohnmächtig werden könnte. Wenn ich einen Lidschlag mache blitzt es, das kenne ich auch noch nicht, aber das verschwindet dann auch wieder.

Da mir alle, die ich zu diesem Rennen befragt habe, berichteten, dass die Ernährung das größte Problem bei dem Rennen ist, stopfe ich in mich rein, was mir unter die Finger kommt. Brote, Riegel, Kekse, Gels, Knäckebrot. Man berichtet, dass man nach einigen Stunden nur noch Flüssiges zu sich nehmen kann. Bei mir geht alles und mir schmeckt es. Kein Hungerast und dank der Kälte und des sintflutartigen Regens auch kein Theater mit den Füßen. Am letzten Assistenzpunkt stopft Susan mir noch einen Keks in den Mund und meint „wir sehen uns im Ziel!“. Genau! Und da jetzt so schnell hin wie möglich!

Im Ziel kann ich es kaum glauben: ich habe es geschafft und tatsächlich gewonnen und das mit 41 Minuten Vorsprung auf die 2. Frau und einer super Zeit. Ich bin glücklich! Erstmal ins Hotel und ab in die Badewanne. Im feuchten Badewannendunst habe ich auf einmal das Gefühl mir könnte der Kreislauf schwinden… Salzkammerguttrophy gewonnen und dann in der Badewanne ohnmächtig geworden und vor der Siegerehrung verreckt. Das geht ja mal gaaaar nicht: Also raus, anziehen und ab zur Siegerehrung!

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