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Start

Mein allererstes Rennen …

Willingen-Marathon… war der Bike-Marathon 2001 in Willingen. Ein MTB-Spontankauf bei Rose fristete seit 4 Jahren ein Schattendasein im Keller, ein Rennrad war kürzlich angeschafft worden und seit ein paar Jahren lief ich +/-ambitioniert Marathon. Will heißen, es lag eine gewisse Grundfitness vor und über den Rennradsektor hatte ich Kontakt zu Bertl aus Lippstadt aufgenommen. Bertl galt in der Rennradriege als MTB-Guru. Er hatte schon die Alpen mit dem MTB überquert, als dies noch als DAS Abenteuer der Neuzeit gehandelt wurde und es keinerlei Artikel über dieses Vorhaben in den einschlägigen Medien gab. Die Route hatte den Jungs ein kundiger Kneipenwirt auf einem Bierdeckel skizziert und genauso abenteuerlich verlief die Tour dann auch. Beim Lesen des Alpencross-Tagebuchs haben wir während eines Rennradurlaubs auf Mallorca unzählige Lachtränen vergossen. Ebendieser Bertl meinte, dass ich ja recht fit auf dem Rad wäre und doch mal mit nach Willingen kommen sollte. Dort gäbe es ein cooles MTB-Rennen …

Der Prolog war für mich definitiv die Abholung der Startunterlagen in Willingen. Heidengetümmel infolge des mehr als boomenden Festivals. Ich zog konzentrische Kreise um das Haus des Gastes, kam aber dem Eingang irgendwie nicht näher …

Lichtjahre später im Besitz der Startnummer suchte ich Bertl und sein Wohnmobil. Da Willingen komplett ausgebucht war, hatte mir Bertl angeboten, in seinem Wohnmobil zu übernachten. Ein Freund war mit von der Partie. Die beiden Jungs hatten ihren Flüssigkeitshaushalt schon ordentlich mit Weizenbier reguliert. Später am Abend wurde noch ein Grill ausgepackt und weitere Weizenkaltschale floss in die MTB-Veteranen. Ich war gespannt auf den nächsten Tag und wie so ein MTB-Rennen ablaufen würde. Geraume Zeit nachdem die Zeltstadt schon zur Nachtruhe übergegangen war, war auch der Durst der Jungs endlich gelöscht. Mir wurde der Platz im Alkoven zugewiesen. Endlich ausruhen. Kaum dass ich im Alkoven lag, vernahm ich deutliches Atemgeräusch – das Weizenbier tat seine Dienste. Zeitgleich meldete sich einer meiner Zähne und machte RABBATZ. Er pochte und puckerte. Ich hatte das dringende Bedürfnis, mich aufzusetzen. Dies allerdings war im Alkoven nicht möglich. Die Jungs unter mir fällten gerade mit der Nase den gesamten Baumbestand am Ettelsberg und das Weizenbier kurbelte ordentlich die Darmgasproduktion an. Offene Flamme im Alkoven hätte das Wohnmobil definitiv zum explodieren gebracht. Irgendwann fiel ich in einen unruhigen Schlaf.

Willingen-Marathon

Rennstart 7.30 Uhr. Das hieß beim Marathonlauf: mindestens 2 Stunden vorher frühstücken. Um 6.00 Uhr war im Wohnmobil noch nicht an Aufstehen zu denken. Da ich Gast der ganzen Aktion war, traute ich mich allerdings auch nicht, das Zepter in die Hand zu nehmen. Gegen 6.30 Uhr war ein Surren zu vernehmen. Bertl riss das Wohnmobilfenster noch im Bett liegend auf und brüllte: das ist ja eine Zumutung! … nebenan fuhr sich ein etwas ambitionierterer Fahrer auf der Rolle warm. 7.10 Uhr … ich wurde nun schon etwas nervös. Bertl wollte noch einen Mantel wechseln, kam aber erstmal mit einer Bratpfanne an, um vorher noch schnell ein bißchen Rührei zu machen. Nun reicht es mir aber. Hier wird jetzt kein Rührei mehr gemacht, meckerte ich, nahm mir ein Brötchen und machte mich auf zum Start. Als ich in den Startblock eincheckte, ertönte vorne im Feld der Startschuss. Wir standen ganz hinten und mir war damals schon klar, dass das suboptimal für den Rennverlauf sein würde. Immerhin war ich ja ambitioniert und gut gerüstet. Für den Fall, dass es mir kalt werden könnte hatte ich vorsorglich meine Regenjacke angezogen, ein Berg Wechselkleidung steckte im Rucksack und für den Fall, dass Hunger sich unterwegs meldet hatte ich getrocknete Aprikosen in der Satteltasche verstaut.

Bertl fuhr vom Start weg wie ein Henker und ich biss mich an seinem Hinterrad fest. Nach 20 km drehte sich Bertl einmal um und staunte nicht schlecht, dass ich noch am Hinterrad klebte. Am nächsten steilen Anstieg hatte Bertl einen Kettenklemmer und ich fuhr voran. Am Gipfel angekommen war von Bertl keine Spur mehr zu sehen. Ich wartete ca. 10 min, dann kam ein sichtlich gezeichneter Bertl dahergeschlichen und murmelte etwas vom üblen Hungerast und ich wäre Schuld, denn er durfte ja das Rührei nicht mehr machen und das fehle halt jetzt in den Beinen. Da trennten sich unsere Wege. Bertl kämpfte sich auf der kleinen Runde ins Ziel und ich nahm die mittlere Runde in Angriff. Ich wäre gerne noch die große Runde gefahren, aber leider war schon Zielschluß für die Durchfahrt auf die große Runde, als ich irgendwann wieder in Willingen aufkreuzte.

Wieder zurück an Bertls Wohnmobil wurde ich mit einem breiten Grinsen erwartet. Bertl meinte: „ich bin stolz auf Dich! Zur Feier des Tages mache ich Dir jetzt Tomate-Mozzarella“. Sprachs, verschwand im Wohnmobil und kam mit einem zum Bersten gespannten weißen Beutel Mozzarella wieder zum Vorschein, der ein sehr hohes Pfeifgeräusche von sich gab. Ich rief nur: Bertl, in Deckung. Das Ding explodiert jeden Moment. Weiß der Himmel, wie lang das Beutelchen schon im Campingkühlschrank lagerte …

Das Feuer für den MTB-Sport war nach diesem speziellen Rennen zugegebenermaßen noch nicht so recht entflammt aber ich hatte noch eine Rechnung mit der großen Runde in Willingen offen und beschloss im nächsten Jahr noch einmal zu starten.

P.S.: Und die Moral von der (relativ langen) Geschicht? Es geht nichts über eine gute Rennvorbereitung. Pochende Zahnschmerzen sind ein absolutes NO GO für jegliches Rennen und ich würde heutzutage auf keinen Fall starten. Bei jedem Rennen sammelt man Rennerfahrung – auch noch nach Jahren. Über eine etwas professionellere Rennvorbereitung als oben beschrieben berichte ich nächste Woche.


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