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Fuldachallenge Tag 4: Halbmarathon XS

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Der Wecker klingelt um 5:15 Uhr – würde heute nicht der Halbmarathon zum nördlichen Polarkreis auf dem Programm stehen, hätte man auch gleich die Nacht durchmachen können ;o). Das Thermometer zeigt minus 47°C und beim Abendesssen gab es schon die Ansage, dass es in der 500 km entfernten Eagle Plains Lodge, unserem heutigen Etappenziel, hinsichtlich der Übernachtung keine Gnade geben wird. Einen Ort gibt es nicht und das Hotel, eingebettet in 300 km nördlichem und 500 km südlichem NICHTS ist so klein, dass es kaum Hotelzimmer gibt – wir müssen in jedem Fall im Zelt schlafen, egal was das Thermometer anzeigt.

Zunächst erwartet uns aber die lange Fahrt dorthin nach Eagle Plains. Über 500 km geht es nur auf Schotter und Eis mit plötzlichen Black Eyed Peas, quasi eine Art Eis-Akne auf der Straße. Es sieht aus wie Asphalt aber in Wirklichkeit ist es pures Eis, so dass man abrupte Bremsmanöver vermeiden sollte. Wir befinden uns immerhin auf dem wohl gefährlichsten Highway der Welt.

Wir starten unsere Fahrt pünktlich um 6.15 Uhr, um rechtzeitig gegen 13.00 Uhr in Eagle Plains Lodge zum Mittagessen zu sein. Um 14.00 Uhr soll der Halbmarathon starten.

Um 9:15 Uhr beginnt die Morgendämmerung. Gigantische Panoramen bieten sich uns auf dem Dempster Highway, der das Yukon Territory mit dem Northern Territory verbindet. Die letzte Stunde fahren wir durch einen phantastischen Tannenwald. Gegen 12.00 Uhr erreichen wir nach 400 km und 5.5-stündiger Fahrt die Eagle Plains Lodge. Auf der gesamten Strecke stand kein einziges Haus oder irgendein anderes Zeichen menschlicher Zivilisation. Sehr einsam und sehr überwältigend.

In der Lodge stärken wir uns mit Nudeln für den Halbmarathon. Nach dem Mittagessen wird jedoch beim Briefing verkündet, dass die Witterungsbedingungen für einen Halbmarathon zu extrem geworden sind. Auf der Strecke zum Arctic Circle herrschen minus 40°C. Zudem weht eine steife Brise, die die Temperatur aufgrund des Windchill-Effekts auf gefühlte minus 53°C sinken lässt – definitv zu kalt für eine längere Kälteexposition. Die Strecke wird aufgrund dessen auf 6 km verkürzt. Ein Klacks – dachte ich, sehe die Entscheidung der Ärzte aber auch mit Skepsis, denn eine kürzere Strecke bedeutet auch, dass alle schneller laufen werden und somit tiefer atmen.

Gegen 13.15 Uhr geht es zum Start, den wir kurz vor 14 Uhr erreichen. Beim Aussteigen aus dem Auto merken wir schon wie kalt es wirklich ist. Das größte Problem ist die richtige Bekleidungswahl. Gesichtsmaske ist ohnehin Pflicht um Erfrierungen zu vermeiden. Der Startschuss fällt und wir laufen los, aber alle merken sofort, dass sie wie mit einem Fallschirm laufen. Die Luft ist so dünn und aufgrund der Kälte und der Gesichtsmaske fällt das schnelle Atmen so schwer, dass sich das schlagartig auf die Leistung auswirkt. Bei einem 6 km Rennen kann man locker einen Schnitt um die 4 min laufen, aber hier schaffen auch die Marathon-Cracks kaum eine Zeit unter 5 min. Das laufen fühlt sich an wie bei einem Training auf 2000 bis 3000 Metern Höhe. Detlev D! Soost läuft kurz vor mir und ich pirsche mich langsam an ihn ran, aber da bemerkt er es auch schon. Die letzten 2 km führen bergab. Da macht er einfach mal lange Schritte und haut mir kurz vorm Ziel ab.

Wohlbehalten erreichen wir nach mehr oder weniger 30 min den Arctic Circle – den nördlichen Polarkreis. Das Highlight der Fulda-Challenge!!! Schon ergreifend. Auf dem Rückweg zur Lodge geht die Sonne gerade unter und das Panorama ist ganz großes Kino.  So groß, dass Florian im Auto vor uns während der Fahrt nach seiner Kamera sucht und den Touareg in den Graben setzt (bzw. in die Schneewähe die sich am Fahrbahnrand befindet).

Hinter ihm fährt das Rescue-Team, das rechts ranfährt um zu helfen und prompt ebenfalls im Graben landet.  Nach einer spektakulären Bergungsaktion bei Sonnenuntergang geht es weiter zur Lodge.

Bei gefühlten minus 50°C entscheiden sich die Veranstalter erneut für das Athleten-Gnadenbrot. Wir dürfen unsere Matratzen in der Lobby ausbreiten und dort übernachten. Vorher müssen wir aber noch einen besoffenen Trucker von der Couch schmeißen. Zelte würden definitiv weggeblasen werden – so windig ist es. Und WIR sind so dankbar für den Schlafplatz drinnen! Mittlerweile ist das Teilnehmerfeld so zu einem Team zusammengewachsen, dass sich irgendwie alle über das Massenlager freuen – Jugendherbergsfeeling kommt auf.

Im Saloon spielen wir traditionsgemäß Billard und andere lustige Spiele, überall stehen ausgestopfte Tiere rum und wir fühlen uns wie die Darsteller in einem Western.


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