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Grand Raid Cristalp – Tour der Leiden bei 38°C

Im Anschluss an unseren Sommerurlaub hatte ich noch den Grand Raid Cristalp in Verbier eingeplant. DER Klassiker unter den Rennen, der 1969 – quasi in meinem Geburtsjahr – das erste Mal ausgetragen wurde und dieses Jahr somit zum 23. Mal stattfand. Das Rennen wird auf unterschiedlichen Distanzen mit unterschiedlichen Startorten bestritten. Gemeinsames Ziel aller Distanzen ist das Bergdörfchen Grimentz.
Wir reisen Donnerstags in Verbier an. Beim Blick auf die Speisekarte vergeht einem der Appetit angesichts der Preise. Für den Preis eines Steaks gehen wir daheim mit 3 Mann essen inklusive Getränke… Beim Blick in die Mail vom Veranstalter wird es nicht besser: die Startnummernausgabe beginnt erst am Freitag und zwar in Sitten, was wieder 1:30h Fahrt mit ca. 20 Serpentinen in DIE Richtung bedeutet, aus der wir gerade gekommen sind. Hätten wir das gewusst, wären wir erst Freitag angereist. Nun ja, jetzt sind wir hier. Ich rede mir ein, dass das für meine Höhenanpassung sehr wichtig ist, hole am nächsten Tag ohne mucken in einer 3-stündigen Aktion die Startunterlagen und bleche 49 Euro für ein Steak mit Pfeffersauce. Als Vorbelastung am Freitag fahre ich noch 1 Stunde locker – so der Plan. Um die leicht auf moll geratene Stimmung zu kompensieren gibt es Musik in die Ohren. Von Verbier aus kann man entweder steil bergauf oder bergab radeln, gerade geht nicht. Ich entscheide mich für den ersten Anstieg, Music on, gute Laune kommt und schwups habe ich den ersten Gipfel des Rennprofils erklommen. Hmm…. Das waren jetzt 700 hm – ob das mal so schlau war…?
Am nächsten Morgen klingelt um 4:00 Uhr der Wecker. Der Startschuss hallt um 6:30 Uhr durch die Bergwelt. Das Thermometer zeigt auf 1500m Höhe zu dieser frühen Uhrzeit schon 25 Grad – das wird eine Hitzeschlacht!Der erste Anstieg rollt sowas von gar nicht. Ich werde durchgereicht und schätze mich auf Position 14. Mir laufen heiße und kalte Wellen durch den Körper. Warum warum warum? Mir fallen Antworten ein: im Urlaub zu viel trainiert, die Tage vor dem Rennen zu wenig Ruhe (wie kann man sich am Gardasee ausruhen?), die Tage vorm Rennen zu lange geschlafen und die Vorbelastung zu heftig. Das sind die Fakten und es hilft nix. Ich hoffe darauf, dass ich irgendwann in Tritt komme und meine Aufholjagd starten kann. Nach der ersten Abfahrt, auf der ich mich immerhin ein paar Plätze vorarbeiten kann, beginne ich meine Aufholjagd. Konkurrentin für Konkurrentin knöpfe ich mir vor. Das Feld ist nun superdicht. Irgendwann bin ich laut Zuschaueraussagen an Position 5 angelangt. Nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass ich am ersten Anstieg noch auf Position 14 rumgegurkt bin.

Die Sonne brennt nun gnadenlos. Ich bin 3 Stunden unterwegs und leichter Kopfschmerz setzt ein. Ich habe 40km und 1700hm auf der Uhr. 85 km und 3500hm liegen noch vor mir, inklusive der 45-minütigen Tragepassage ganz am Ende. Die Temperatur steigt stetig. Eine Hitzeschlacht liegt vor mir.
Die Tatsache, dass ich doch ganz gut in den Tritt gekommen bin stimmt mich dennoch positiv. Frau Nr. 4 kommt in Sicht. Ich forciere das Tempo und überhole in der Abfahrt. Es wird mir auf Französich hinterhergeflucht. Sehr gut ;o)…. Ein Zuschauer bestätigt mir, dass ich nun auf Platz 4 liege und murmelt etwas von 9 Minuten auf Platz 3… Ein Sieg ist bei diesem Rennen nicht drin – das war mir von vornherein klar. Die Konkurrenz aus der Schweiz ist sehr groß. Die ersten 3 Frauen nun auf der Strecke sind dieses Rennen bereits mehrfach gefahren, sie kennen die Strecke und sie leben das ganze Jahr in der Höhe und neigen nicht wie ich Flachlandtiroler zur Schnappatmung wenn die Strecke über einen Gipfel von 2800hm verläuft. Da gebe ich mich also keinerlei Illusionen hin. Obwohl… ein Platz auf dem Treppchen wäre natürlich schon schön. Und wer weiß? Rennen werden ganz am Ende entschieden. Also einfach mal weitermachen. Die Sonne brennt und ich komme mit dem Trinken einfach nicht nach. Ex-Frau Nr. 4 – Fanny Viret, hat sich nun wieder rangebissen und wir radeln eine ganze Weile gemeinsam. Frau Nr. 5 hinter uns – Jane Seggie, die für Chalet Spa Verbier startet, kämpft sich immer wieder an uns ran. Achtsamkeit und nicht nachlassen ist angesagt. Irgendwann stoßen Fanny und ich auf die Frau Nr. 3 – Valérie Berthod, die gerade ganz offensichtlich einem üblen Hungerast ins Auge sieht… nun ist alles wieder drin! Fanny und ich kämpfen um Platz 3. Wir sind nun seit gut 7 Stunden auf der Strecke und die berüchtigte Tragepassage am letzten Anstieg nähert sich. Mein Morton Neurom (Nervenentzündung unter dem Fuß) macht mir zunehmend Beschwerden und ich habe das dringende Bedürfnis den Fuß zu kühlen, da das erfahrungsgemäß die Schmerzen lindert. Wir biegen um eine Ecke und zakk! da ist sie! – die üble Tragepassage. Aus dem Augenwinkel sehe ich eine Kuhtränke. Ich steige kurz ab und stapfe mit beiden Füßen in die Tränke. Welch Wohltat. Die Schmerzen unterm Fuß lassen sofort etwas nach. Allerdings nutzt Fanny diese Zeit um einen ordentlichen Vorsprung rauszutragen. Ich nehme mir an der Verpflegung noch 2 Trinkflaschen (wie blöd – die schleppe ich mit rauf und kann doch nicht trinken, weil die Flaschen im Bike, das sich gerade auf meinem Buckel befindet, stecken – die Luft ist auf 2800m zu dünn um über solche Sachen nachzudenken…). Ich bin nun auch richtig gar. Alle Bewegungen sind irgendwie verlangsamt und ich will nur noch, dass es endlich zu Ende ist. Die Platzierung wird mir gerade langsam egal. Ist das der Beginn der Höhenkrankheit? Jane Seggie, die aus Verbier kommt, hat sich nun auch noch rangepirscht und überholt laut grüßend – sowas kann ich ja mal gaaaaar nicht leiden, obwohl verstehen kann ich´s :o)… Ich trage weiter, rechts, links, rechts, links, jeder Schritt eine Qual!

Irgendwann habe ich den letzten Gipfel erreicht. Jetzt nur noch Knallgas ins Tal. Ich mache die Bremse auf. Wie war das? Lieber tot als Schwung verloren ;o)?. Jane Seggie kommt auf Ihrem 29er Fully wieder in Sicht und auch schnell wieder außer Sicht weil ich mit meinem 26er Hardtail vorbeirausche wie ein ICE. Henri Lesewitz würde mir jetzt die Füße küssen ;o). Im weiteren Verlauf der Abfahrt stelle ich aber fest, dass für die letzten 1400 hm ins Ziel ein Fully doch gar nicht soooo schlecht gewesen wäre. Es holtert und poltert nur so dahin. Im Ziel lande ich dann auf dem 4. Platz nach 9:06 h unglaublicher Schinderei bei 38 Grad Hitze, und das auf 1500 HM. Meine Verbeugung gilt den 3 Schweizer Mädels auf dem Podium. Zu Platz 3 fehlten nur 1:40 min. Aber hehe…. Vielleicht komme ich ja nochmal wieder!

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