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Fuldachallenge Tag 6: Das große Finale

Unsere heutige Tagesetappe führt mit dem Touareg über die Ice Road nach Tuktoyaktuk (das heißt wohl „der, der den Wal fängt“). Die Ice Road ist ein ca. 2 km breiter Meeresarm, der im Winter konplett zugefroren ist und als Straße zum nördlichen Ende der Welt dient. Im Sommer ist dieses „end of the world“ mit „in the middle of nowhere“ (Inuvik) durch eine Fähre verbunden und ich frage mich, ob es eine Verbindung gibt, wenn das Eis zu schwach wird, aber die Fähre noch nicht fahren kann (hehe – das krieg ich noch raus!!!). Wir fahren 200 km quasi auf einer Eisplatte. Konditionen, bei denen zuhause alle Schritt fahren und die Straßen von quer stehenden BMW- und Mercedes-Fahrern verstopft sind (räusper…). Wir hingegen braten mit unseren Touareqs mit etwas über 90 km/h über das Eis (kann jetzt hier nicht genau schreiben wie schnell es wirklich war, weil STRIEZEL das lesen könnte. Sagen wir einfach mal genau 89 km/h plus ein bißchen). Die Kombination aus Allrad und den FULDA-Winterreifen sorgt auch in den Kurven für phänomenalen Grip und verschiebt eindeutig die Grenzen. Ich werde zuhause definitiv entweder meine Fahrweise anpassen oder das Equipment aufrüsten müssen, wenn mein Auto nicht als Schuhkarton und ich als Abziehbild an der Windschutzscheibe enden will ;o). Merkt Ihr was? Ich hab gute Laune, denn es ist geschafft!!!

Die Fahrt heute hat mir verdeutlicht, was der Begriff „weites Land“ bedeutet. So etwas kennt der Flachlandtiroler allenfalls aus Holland, jedoch wird das Einstellen der  Optik auf „unendlich“ dort zuweilen durch Großwindanlagen und Wohnwagen irritiert.

Für die Abschlußparty hat Fulda alle Register gezogen. Wir haben das große Glück, dass im Rahmen der diesjährigen Party der neue Sommerreifen „Sportcontrol“ vorgestellt wird. Ein Riesenspektakel wird veranstaltet. 2 Sattelschlepper haben Party-Equipment nach Inuvik gekarrt, inklusive köstlicher Menüs und leckerer Weine. Detlev D! Soost hat seine Tänzer einfliegen lassen und seine Freundin Kate Hall singt für uns. Der perfekte Abschluss dieser mehr als strapaziösen Woche in eisiger Kälte.

Nun ist es vorbei!! Und ich war in einer BADEWANNE. Mein persönliches Fazit der Woche: die Festplatte der Ansprüche wurde resetted. Wenn man sich freut, auf einem Matratzenzuschnitt auf dem Boden einer (für westeuropäische Verhältnisse) mehr als einfachen Hotel-Lobby im Massenlager zu übernachten, dann geht wieder etwas in die richtige Richtung. Ich hoffe, dass ich mir dieses Gefühl eine lange Zeit bewahren werde und freue mich nun auf meine Familie, auf Wärme und ein kuscheliges Bett. Danke an alle, die mir dieses unvergessliche Erlebnis ermöglicht haben.

Fuldachallenge Tag 5

Um 6:30 Uhr erwachen wir in der Lobby und die Kehle ist staubtrocken von der Klimaanlage. Um 8.30 Uhr brechen wir auf Richtung Inuvik in den Northwestern Territories. In Fort Mc Pherson erwartet uns das erste Event des Tages: Car Pulling.

An einem Gurtband muss der Touareg ca. 100 m gezogen werden. Klingt lächerlich, entpuppt sich aber als mörderanstrengend. Thiemo und ich sind mit 110 kg Lebendgesamtgewicht das leichteste Team der Challenge. Für diese Disziplin ist jedoch etwas mehr Masse durchaus von Vorteil, sodass wir hinsichtlich unserer Performance schwarz sehen. Wir versuchen möglichst kleine Schritte zu machen und kriegen den Touareg relativ schnell in Bewegung gesetzt. Am Ende haben wir die fünftschnellste Zeit und sind sehr zufrieden. Schnell ins Auto denn hier sind es minus 50°C.  Weiter geht´s nach Inuvik. Gegen Mittag erreichen wir den zugefrorenen Mc Kenzie River, den wir überqueren müssen. Auf dem Boden sehen wir tiefe Risse und das Eis schimmert bläulich durch. Ein Schild besagt, dass die maximale Belastungsgrenze für den zugefrorenen Fluss bei 64 Tonnen liegt. Da liegen wir ja locker drunter.

Gegen Nachmittag treffen wir in Inuvik ein, haben erstmals einen Zugriff aufs Internet und warten nun auf das 9. Event: den Igloo-Bau, der um 20 Uhr beginnt. Der Haken an der Sache: hier sind es minnus 43 Grad. Die Schlafsäcke reichen bis minus 46°C…. Wollen wir hoffen, dass die Igloos diese Nacht genügend Wärme spenden… Uns steht jedoch frei im Auto zu übernachten, falls die Iglus zu kalt bei den harschen Außentemperaturen zu kalt sein sollten.

Für den Iglubau erwarten uns große festgepresste Schneehügel, die wir aushöhlen müssen, so dass 2 Matratzen hineinpassen. Das ganze auf Zeit. Eine Hundearbeit, im wahrsten Sinne des Wortes, denn wir graben mit Händen und Füßen wie die Köter. Die Presse hat ihren Spaß und schlemmt vergnügt in einem Zelt in der Nähe. Wir kommen uns ein klitzepopelkleines bißchen vor wie  bei Brot und Spiele :o).

In der Mitte des Igluplatzes befindet sich ein sehr großes Lagerfeuer. Presse und Orga sind in  die Hotels zurückgekehrt. Wir Athleten stehen um das Lagerfeuer und vernehmen lautes Krachen. Wir fragen uns, was das wohl sein mag. Ein Eskimo klärt uns auf: wir befinden uns auf einem zugefrorenen See – sehr vertrauenserweckend, auch im Hinblick auf das Lagerfeuer….

Fuldachallenge Tag 4: Halbmarathon XS

Der Wecker klingelt um 5:15 Uhr – würde heute nicht der Halbmarathon zum nördlichen Polarkreis auf dem Programm stehen, hätte man auch gleich die Nacht durchmachen können ;o). Das Thermometer zeigt minus 47°C und beim Abendesssen gab es schon die Ansage, dass es in der 500 km entfernten Eagle Plains Lodge, unserem heutigen Etappenziel, hinsichtlich der Übernachtung keine Gnade geben wird. Einen Ort gibt es nicht und das Hotel, eingebettet in 300 km nördlichem und 500 km südlichem NICHTS ist so klein, dass es kaum Hotelzimmer gibt – wir müssen in jedem Fall im Zelt schlafen, egal was das Thermometer anzeigt.

Zunächst erwartet uns aber die lange Fahrt dorthin nach Eagle Plains. Über 500 km geht es nur auf Schotter und Eis mit plötzlichen Black Eyed Peas, quasi eine Art Eis-Akne auf der Straße. Es sieht aus wie Asphalt aber in Wirklichkeit ist es pures Eis, so dass man abrupte Bremsmanöver vermeiden sollte. Wir befinden uns immerhin auf dem wohl gefährlichsten Highway der Welt.

Wir starten unsere Fahrt pünktlich um 6.15 Uhr, um rechtzeitig gegen 13.00 Uhr in Eagle Plains Lodge zum Mittagessen zu sein. Um 14.00 Uhr soll der Halbmarathon starten.

Um 9:15 Uhr beginnt die Morgendämmerung. Gigantische Panoramen bieten sich uns auf dem Dempster Highway, der das Yukon Territory mit dem Northern Territory verbindet. Die letzte Stunde fahren wir durch einen phantastischen Tannenwald. Gegen 12.00 Uhr erreichen wir nach 400 km und 5.5-stündiger Fahrt die Eagle Plains Lodge. Auf der gesamten Strecke stand kein einziges Haus oder irgendein anderes Zeichen menschlicher Zivilisation. Sehr einsam und sehr überwältigend.

In der Lodge stärken wir uns mit Nudeln für den Halbmarathon. Nach dem Mittagessen wird jedoch beim Briefing verkündet, dass die Witterungsbedingungen für einen Halbmarathon zu extrem geworden sind. Auf der Strecke zum Arctic Circle herrschen minus 40°C. Zudem weht eine steife Brise, die die Temperatur aufgrund des Windchill-Effekts auf gefühlte minus 53°C sinken lässt – definitv zu kalt für eine längere Kälteexposition. Die Strecke wird aufgrund dessen auf 6 km verkürzt. Ein Klacks – dachte ich, sehe die Entscheidung der Ärzte aber auch mit Skepsis, denn eine kürzere Strecke bedeutet auch, dass alle schneller laufen werden und somit tiefer atmen.

Gegen 13.15 Uhr geht es zum Start, den wir kurz vor 14 Uhr erreichen. Beim Aussteigen aus dem Auto merken wir schon wie kalt es wirklich ist. Das größte Problem ist die richtige Bekleidungswahl. Gesichtsmaske ist ohnehin Pflicht um Erfrierungen zu vermeiden. Der Startschuss fällt und wir laufen los, aber alle merken sofort, dass sie wie mit einem Fallschirm laufen. Die Luft ist so dünn und aufgrund der Kälte und der Gesichtsmaske fällt das schnelle Atmen so schwer, dass sich das schlagartig auf die Leistung auswirkt. Bei einem 6 km Rennen kann man locker einen Schnitt um die 4 min laufen, aber hier schaffen auch die Marathon-Cracks kaum eine Zeit unter 5 min. Das laufen fühlt sich an wie bei einem Training auf 2000 bis 3000 Metern Höhe. Detlev D! Soost läuft kurz vor mir und ich pirsche mich langsam an ihn ran, aber da bemerkt er es auch schon. Die letzten 2 km führen bergab. Da macht er einfach mal lange Schritte und haut mir kurz vorm Ziel ab.

Wohlbehalten erreichen wir nach mehr oder weniger 30 min den Arctic Circle – den nördlichen Polarkreis. Das Highlight der Fulda-Challenge!!! Schon ergreifend. Auf dem Rückweg zur Lodge geht die Sonne gerade unter und das Panorama ist ganz großes Kino.  So groß, dass Florian im Auto vor uns während der Fahrt nach seiner Kamera sucht und den Touareg in den Graben setzt (bzw. in die Schneewähe die sich am Fahrbahnrand befindet).

Hinter ihm fährt das Rescue-Team, das rechts ranfährt um zu helfen und prompt ebenfalls im Graben landet.  Nach einer spektakulären Bergungsaktion bei Sonnenuntergang geht es weiter zur Lodge.

Bei gefühlten minus 50°C entscheiden sich die Veranstalter erneut für das Athleten-Gnadenbrot. Wir dürfen unsere Matratzen in der Lobby ausbreiten und dort übernachten. Vorher müssen wir aber noch einen besoffenen Trucker von der Couch schmeißen. Zelte würden definitiv weggeblasen werden – so windig ist es. Und WIR sind so dankbar für den Schlafplatz drinnen! Mittlerweile ist das Teilnehmerfeld so zu einem Team zusammengewachsen, dass sich irgendwie alle über das Massenlager freuen – Jugendherbergsfeeling kommt auf.

Im Saloon spielen wir traditionsgemäß Billard und andere lustige Spiele, überall stehen ausgestopfte Tiere rum und wir fühlen uns wie die Darsteller in einem Western.

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